Winfried Sobottka über Bedarfs gesteuerte Wirtschaft /Hannelore Kraft, Annika Joeres, Die LINKE BERLIN, DIE GRÜNEN Berlin, SPD BERLIN, CDU BERLIN, FDP BERLIN, NPD BERLIN


Belljangler: „Winfried, Du hast mit einer neuen Offensive in Sachen Sexualaufklärung gestartet, setzt sie aktuell aber nicht fort. Warum nicht?“

Winfried Sobottka: „Das hat zwei Gründe. Zum einen habe ich mit der Geschichte über Birgit und Tom:

http://die-volkszeitung.de/0-0-0-an-die-juedinnen/geschichte/teil-01.html

inhaltlich eine Lücke geschlossen, die bisherige Veröffentlichungen offen gelassen hatten. Ich denke, das grundsätzliche Verhalten der Frau im ersten Akt des Sexualschemas besser nachvollziehbar gemacht zu haben als bisher sonst, zudem die Mittel beschrieben zu haben, die von einer ungeliebten Ehefrau eingesetzt werden müssen. Demnach sind derzeit also Inhalte publiziert, die sich als äußerst hilfreich erweisen können, und ich möchte Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich die Nutzung dieser Inhalte entwickelt, das Interesse daran. Finden Frauen die Geschichte hilfreich, dann werden sie andere aufmerksam machen. Geschieht das nicht, dann muss ich über andere Formen nachdenken.

Zweitens gibt es ein Feld, das sehr wichtig ist, über das meines Wissens bisher aber noch niemand so nachgedacht hat, wie es eigentlich sein müsste: Wie kann Wirtschaften in einer artgerecht lebenden menschlichen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts aussehen?

Die letzten artgerecht in Europa lebenden menschlichen Gesellschaften lebten vor gänzlich anderen technologischen, ökologischen und infrastrukturellen Hintergründen, kamen mit Eigenproduktion und bescheidenem Tauschhandel aus. Das kann bei 90 Millionen Menschen in „Großdeutschland“ natürlich nicht mehr funktionieren. Man wird arbeitsteilig vorgehen müssen, und man wird Mechanismen zur bedarfsgerechten Produktion und Verteilung benötigen, die erstens Mangel verhindern, zweitens von allen sozial akzeptiert werden können.“

Belljangler: „Das Plan- und Lenkungsmodell der in den Ostblockstaaten damals realisierten Planwirtschaft lehnst Du entschieden ab?“

Winfried Sobottka: „Das war und ist so offensichtlich funktionsdefekt, dass man sich – wie beim Kapitalismus in einer sozial kaputten Gesellschaft – nur fragen kann, wieso es solange praktiziert wurde: Abgehobene Funktionäre ermittelten Bedarf nach ihrem Belieben, das konnte also besser oder schlechter funktionieren, gaben dann Vorgaben für die Produktion, die meist unrealistisch waren, und was dabei tatsächlich heraus kam, wurde verteilt.

Zudem stand nicht der Mensch im Mittelpunkt der Überlegungen, sondern der Systemkampf gegen den Kapitalismus, der, wenn anders nicht möglich, durchaus militärisch erfolgen sollte. Dafür mussten Millionen von Menschen in Plattenbauten leben, war es für junge Menschen fast unmöglich, aus der Enge der elterlichen Wohnung heraus zu kommen usw.“

Belljangler: „Du hast es dezidiert erläutert, dass die im Kapitalismus herrschende Motivation zur Arbeit in einer freien Gesellschaft mit Versorgungsgarantie praktisch wegfiele:

https://belljangler.wordpress.com/bedingungsloses-grundeinkommen/

womit Du auch die miserable Produktivität in den damaligen Ostblockstaaten erklärt hast. Spielte das eine größere Rolle als die bürokratische Planung?“

Winfried Sobottka: „Beides beförderte sich in der negativen Wirkung: Die Planung berücksichtigte nicht, dass Fahnenschwingen und Massenaufmärsche allein nicht motivierten, die Motivation wurde durch miserable Planung, die zu miserabler Versorgung führte, zusätzlich herab gesenkt, Motto: „Wenn ich schon scheiße leben muss, dann will ich dafür nicht auch noch malochen wie ein Bekloppter!“

Belljangler: „Es muss also ein erkannter und gespürter Zusammenhang zwischen notwendiger Leistung und dem Nutzen derer, die die Leistung erbringen, her?“

Winfried Sobottka: „Da muss jeder sich nur selbst betrachten: Niemand tut etwas, ohne zumindest zu meinen, er würde einen Nutzen daraus ziehen. Aber Nutzen muss nicht Egoismus im gesellschaftsüblichen Sinne sein. Die enorme Hilfsbereitschaft vor einigen Jahren, um den Anrainern der Oder gegen das Oderhochwasser zu helfen, Spendenbereitschaft, wenn es wie in Haiti oder in Pakistan um Hilfe gegen Naturkatastrophen geht, die Care-Pakete, die vor Jahrzehnten in den USA, Irland, der Schweiz usw.  gepackt wurden und mit den „Rosinenbombern“ oder auf anderen Wegen kamen, verdeutlichen doch, dass Motivation auch über das Gemeinwohl möglich ist. Zudem gibt es, wenn die Produktionsziele nicht unerreichbar hoch gesteckt sind, ein ganz einfaches Mittel, um Menschen zur maximalen Entfaltung zu treiben. Wenn man jemandem aufrichtig sagen kann: „Das, was Du zu schaffen hast, kannst Du in 20 Stunden pro Woche schaffen, aber es muss geschafft werden, und wenn Du trödelst, musst Du eben länger arbeiten!“ – dann werden manche vielleicht noch 22 oder 24 Stunden arbeiten, aber niemand wird 40 Stunden in der Woche arbeiten, und alle werden ihre Ziele erreichen.“

Belljangler: „Du gehst weiterhin davon aus, dass das notwendige Arbeitsvolumen drastisch gesenkt werden könne?“

Winfried Sobottka: „Das ist keine gewagte Annahme. Der herrschende Kapitalismus hat die Wegwerfgesellschaft kultiviert, weil Absatzmaximierung das Ziel ist. Bedarfsorientierte Gesellschaft würde die optimale Ressourcenallokation kultivieren, die optimale Verwendung der Mittel. Dem Arzt dürfte und würde es nicht schlechter gehen, wenn die Menschen in seinem Umfeld nur noch permanent gesund wären. Es würde ihm besser gehen, denn er hätte weniger zu tun und könnte nach seinen Wünschen bei Dingen mitarbeiten, die er selbst als sinnvoll erachtet. Produkte würden nicht so konzipiert, dass sie möglichst bald durch andere ersetzt werden müssten, sondern so, dass sie möglichst lange zur vollständigen Zufriedenheit ihrer Besitzer hielten. Da das Wirtschaftsmodell zudem auf der Prämisse baut, dass die Menschen ein artgerechtes Sexual- und Sozialleben leben, würden alle Kompensationszwänge wegfallen. Es würde nicht jährlich eine Mode geben, der man sich aus gesellschaftlichen Zwängen anpassen müsste, niemand würde es für nötig halten, mit Konsum protzen zu müssen,  es brauchte keine gigantische Unterhaltungsindustrie her, um den Leuten ein Leben auch ohne Erfüllung grundlegender Triebe noch als erträglich erscheinen zu lassen, der ganze Finanzsektor mit all seinen Verkäuferheerscharen würde wegfallen usw. usf.  Wenn ich den Daumen in die Luft halte und den Wind zu spüren versuche, würde ich schätzen, dass die notwendige Produktion langfristig auf höchstens 20% im Nonfood-Bereich gesenkt werden könnte, das Selbe auch in den klassischen Dienstleistungsbereichen. Wohlgemerkt: Ohne, dass auch nur einer meinte, ihm würde etwas fehlen.“

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Über belljangler
Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka, geb. 16.07.1958 in Waltrop, Kreis Recklinghausen, wohnhaft: Karl-Haarmann-Str. 75 in 44536 Lünen, Tel. 0231 986 27 20

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