Kirsten Heisig: Doch ermordet! / Gisela von der Aue, Gerhard Wisnewski, Polizei Berlin, TAZ, Neues Deutschland, Berliner Morgenpost, Berliner Zeitung, ex-k3-berlin, womblog


http://wp.me/po3G2-N3

Am Ende dieses Artikels findet man die Scans des Faxes, mit dem die Staatsanwaltschaft Berlin die Anfrage von Gerhard Wisnewski auf gerichtliche Aufforderung hin beantwortet hat –  nicht so wirklich ganz, aber wenigstens ein bisschen.

Es fällt auf, dass der Todeszeitpunkt sehr im Dunkeln bleibt, dass nur davon die Rede ist, dass die „Leichenliegezeit“ einige Tage betragen haben müsse. Man findet keine Hinweise darauf, welcher Methoden der Todeszeitpunktermittlung der Gerichtsmediziner sich bedient haben will, man darf annehmen, dass den Behörden eine Daumenpeilung gereicht haben dürfte.

Dabei gehört der Juni zu den Monaten, in denen wir z.B. die stärksten Insektenaktivitäten zu verzeichnen haben, und natürlich ist eine menschliche Leiche ein gefundener Brutplatz für Fliegen und diverse andere Insekten, so dass sich anhand der Stadien vorgefundener Insektenlarven und des feststellbaren Larvenfraßes durchaus sagen lässt, ob die Leiche z.B. 2 Tage hing, 5 Tage oder etwa 8 Tage. Aber man hatte ein Verbrechen ja schon ausschließen können, sobald man wusste, dass  Kirsten Heisig vermisst wurde, und warum sollte man dann so umständliche Sachen wie eine sorgfältige Klärung des Todeszeitpunktes betreiben?

Auch fällt es auf, dass nicht einmal wirklich klar gesagt wird, wie Kirsten Heisig gestorben ist: Quälte sie sich in den Erstickungstod, oder wurden Blutgefäße so stark stranguliert, dass sie nach ein paar Sekunden ohnmächtig war?  Ein Genickbruch, soviel ist sicher, kann bei der ausgesprochen geringen Fallhöhe ausgeschlossen werden, wobei nicht einmal klar ist, wie sie das Aufhängen geschafft haben will: Der Strick hing am Baum, sei  zugleich schon um ihren Hals gelegt gewesen, während sie auf dem Boden stand. Dann soll sie sich einfach nach vorn haben fallen lassen.

Ein ähnliches Verfahren wurde z.T., so las ich es einmal im Spiegel, von politischen Rebellen benutzt, die sich bei Durchsuchungsaktionen in ihren Kleiderschränken versteckten. Wurde der Kleiderschrank geöffnet, ließen sie sich vornüber fallen – und der Blutstrom ins Hirn wurde unterbrochen. Allerdings, so las ich damals, und das scheint mir auch wahrscheinlich, mussten sie ihre Unterschenkel eng aneinander gefesselt haben, damit die Sache funktionierte, wenn sie nötig wurde  – denn sonst macht ein Mensch instinktiv einen Ausfallschritt nach vorn – und aus der Strangulation wird nichts. Dass Heisig ihre  Unterschenkel zusammengebunden habe, ist nicht bekannt gegeben worden. Bereits damit ist ihr Selbstmord in der beschriebenen Weise vermutlich nicht mehr möglich gewesen.

Aber auch ein anderes Detail spricht klar dafür, dass Heisig nichts nachts in den Wald marschierte, um sich umzubringen: Es wurde offenbar keine Taschenlampe gefunden, die sicherlich erwähnt worden wäre, da ja sogar eine Plastikflasche und ein Flaschenverschluss aus Plastik erwähnt werden.

Am Abend des 28.06. 2010 wurde Kirsten Heisig  zum letzten Male gegen 21.30 Uhr gesehen, um 21.33 Uhr ging in Berlin die Sonne unter, war es also Nacht. Der Mond ging erst um 22.39 Uhr auf , die Bäume standen in bester Blättertracht – es muss im Wald praktisch stockdunkel gewesen sein, als Kirsten Heisig ihn durchquerte, sich sogar noch einen Baum aussuchte, der nicht erreichbar war, ohne dichtes Gestrüpp zu durchdringen. Dann soll sie im Stockdunkeln einen passenden Ast ausgesucht und heruntergebogen haben, dann soll sie im Stockdunkeln einen Strick fest daran gebunden haben, dann soll sie sich die Schlinge um den Hals geknüpft haben – alles, ohne irgendetwas zu sehen?

Eine Perfektionistin wie Heisig hätte, wenn sie es denn vorgehabt hätte, sich in der Weise umzubringen, garantiert eine leistungsfähige Taschenlampe dabei gehabt, die man in stockdunklem Walde auch tatsächlich braucht. Aber man fand eben keine.

Zudem ist die Auskunft – nicht nur betreffend Todeszeitpunkt – sehr dürftig: „Gelbliche Flüssigkeit“ in der Flasche (Urin, Bier, Zitronenlimo?) , „Überdosis“  von Antidepressiva (lethal?)… Welches Antidepressivum, wird auch nicht  gesagt, so dass es völlig offen bleiben muss, welche Rolle es theoretisch gespielt haben könnte.

Als „Objektive Anhaltspunkte für ein planvolles Vorgehen der Frau Heisig in bezug auf den eigenen Tod“ werden zwei Punkte genannt: Sie habe sich am 28.06.  Antidepressiva besorgt, und am selben Tage von ihrer Rechtsanwältin schriftlich aufnehmen lassen, wo sie im Falle ihres Todes beerdigt werden wolle. Nach meiner Ansicht kann man beides ebensogut als objektive Anhaltspunkte dafür werten, dass sie damit rechnete, ermordet zu werden, gerade Antidepressiva benötigt man eigentlich nicht, wenn man sich sowieso umbringen will.

Ferner heißt ein Abschnitt in dem Fax: „Fakten, die eine Fremdverursachung des Todes ausschließen“. Dabei findet man kein einziges Faktum, das ein Fremdverschulden wirklich ausschließt, wenn echte Profis im Rahmen eines guten Planes gehandelt haben sollten, zudem fragt es sich, wie man an einer Leiche, die 5 Tage bei hohen sommerlichen Temperaturen im Wald gehangen haben soll, noch sichere Hinweise darauf finden will, dass die Person Spuren reduzierend oder Spuren vermeidend im Griffe Dritter gewesen sei: Auch wenn die Polizeihunde die Leiche nicht fanden – Elstern, Krähen, Marder, Insektenlarven usw. –  sie alle haben sich fünf Tage lang an der Leiche satt gefressen. Wurden Heisigs Unterarme zum Beispiel von zwei Leuten gepackt, einer rechts, einer links, beide mit dicken, weichen Handschuhen zupackend, dann kann man es praktisch ausschließen, dass sich trotz starker Verwesung und erheblichen Tierfraßes noch Spuren davon hätten finden lassen.

Zudem sieht es ja auch nicht danach aus, dass die Ermittler der Fremdtötungshypothese mit Eifer nachgegangen wären: Todeszeitpunkt über den Daumen geschätzt und das nicht einmal genau anhand irgendwelcher konkreter Fakten, gelbe Flüssigkeit in der Plastikflasche offenbar nicht einmal der Art nach bestimmt, Leiche tagelang trotz großangelegter Suchaktion mit Leichenspürhunden nicht gefunden, und, vor allem: Gewissheit, dass kein Verbrechen vorliege, kaum, dass Heisigs Verschwinden aufgefallen war.

Wo also ist die Taschenlampe?

Winfried Sobottka, UNITED ANARCHISTS

PS.:

Auch er soll sich umgebracht haben: Uwe Barschel. Ein neuerdings bekannt gewordenes Foto zeigt allerdings deutliche Spuren von Gewalteinwirkungen im Gesicht:

Nun noch das FAX:

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Über belljangler
Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka, geb. 16.07.1958 in Waltrop, Kreis Recklinghausen, wohnhaft: Karl-Haarmann-Str. 75 in 44536 Lünen, Tel. 0231 986 27 20

2 Responses to Kirsten Heisig: Doch ermordet! / Gisela von der Aue, Gerhard Wisnewski, Polizei Berlin, TAZ, Neues Deutschland, Berliner Morgenpost, Berliner Zeitung, ex-k3-berlin, womblog

  1. FreiZeitGeist says:

    „Am Abend des 28.06. 2010 wurde Kirsten Heisig zum letzten Male gegen 21.30 Uhr gesehen, um 21.33 Uhr ging in Berlin die Sonne unter, war es also Nacht. Der Mond war eine dünne Sichel, die Bäume standen in bester Blättertracht – es muss im Wald praktisch stockdunkel gewesen sein, “

    ROTFL!

    Schon mal was von „bürgerlicher Dämmerung“ gehört?

    „Die bürgerliche Dämmerung (auch zivile Dämmerung), die in Deutschland im Durchschnitt etwa 39 Minuten dauert, gestattet noch Zeitunglesen im Freien.“

    … und selbst nach der bürgerlichen Dämmerung ist es nicht sofort stockfinster…

    Als begeisteter Sternengucker gehe ich gelegentlich soger um Mitternacht – wenn es also am dunkelsten ist – durch den nahegelegenen Wald zu einem See, von den man wunderbar den Sternhimmel sehen kann (natürlich nur selten bei vollmond, denn der überstrahlt die dunkleren Sterne). Das Auge gewöhnt sich nach 10-15 minuten an die Dunkelheit.

    Sie haben mch zwar richtig zitiert, aber ich habe die von Ihnen gemeinte Stelle nun geändert: Ich war einer Truginfo zum Opfer gefallen, der Mond war am 28.06. noch fast voll, ging allerdings erst um 22.39 Uhr auf – siehe meinen Antwortkommentar. MfG Belljangler

    • belljangler says:

      „Gestattet noch Zeitungslesen im Freien“ ist in dieser Absolutheit nicht korrekt:

      1. Kommt es darauf an, wer das Zeitungslesen versucht.

      2. Kommt es darauf an, wann es innerhalb dieser „zivilen Dämmerung“ versucht wird. Diese Dämmerung bietet ihre maximale Lichtkraft c.p. an ihrem Anfang, von da an nimmt ihre Lichtkraft stetig ab und geht schließlich am Ende sanft in das volle Dunkel über.

      3. Kommt es darauf an, wo man die Zeitung wie liest: Unter freiem Himmel sieht es anders aus als in einem Wald, der im Sommer in voller Blätterpracht steht.

      4. Hört sich das zwar toll an – „Mensch, sogar Zeitung kann man dann noch lesen!“ – doch tatsächlich bieten Zeitungen fast maximalen Kontrast (fast weiß / schwarz), so dass gerade sie nicht repräsentativ sind. Pflanzen sind evolutionär als Lichtschlucker entwickelt, wie Sie sicherlich wissen, und auch die Waldböden sind jedenfalls im Juni bei uns nicht weiß….

      Ich darf Ihnen verraten, dass auch ich über umfassende Erfahrungen mit nächtlichen Waldtouren verfüge, bei jeder Art von Wetter, in jeder Jahreszeit, unter allen denkbaren Mond-/Sternenkonstellationen, denen man typischerweise alljährlich begegnet. Und von daher weiß ich, dass es selbst in Vollmondnächten in dichtem Sommerwalde so ist, dass man zwar helles sieht, wenn man nach oben schaut, sich auf Wegen, wenn der Himmel wolkenfrei ist, die Bäume nicht hoch sind und keine ausladenden Kronen haben, sicherlich auch noch einigermaßen bewegen kann, aber wenn man die Wege verlässt, dann sieht man oben zwar immer noch den Mond, aber die Struktur des Bodens kann man praktisch nicht mehr wahrnehmen.

      Ich muss zwar zugeben, dass ich nicht sauber recherchiert hatte, vorschnell eine Fundstelle offenbar falsch bewertet hatte:


      http://kritikuss.over-blog.de/ext/http://www.mondkalender-tagesempfehlungen.de/mondkalender-06-28.php

      nach der ich meinte, der Mond sei eine schmale Sichel gewesen, während er in Wahrheit wohl 3/4 voll war, wie sich nun herauszustellen scheint. Allerdings: Es spielt für die Betrachtung keine Rolle, weil der Mond am 28.06. erst um 22.39 Uhr über Berlin aufging, wie man hier feststellen kann:

      http://mond.apper.de/index.php

      In der fraglichen Zeit war die Sonne also weg, der Mond noch nicht da, und die Dämmerung damit das einzige Licht, das den Wald erhellen konnte – einen Wald, der in vollem Laube stand und in dem Sie daher (ohne Taschenlampe) garantiert keine Zeitung mehr hätten lesen können. Ihre Ansicht, um Mitternacht sei es im Wald am Dunkelsten, ist insofern nicht zutreffend, weil es ab Monaufgang meist wieder heller wird – nicht nur bei Vollmond. Dass Sie auch bei Neumond ohne künstliches Licht mitternachts im Walde spazieren, glaube ich Ihnen dann, wenn Sie entweder jahrelang in der Natur gelebt haben oder gewohnheitsmäßig blind sind und sich entsprechend viel Zeit lassen. Aber im letzteren Falle könnten Sie ja nicht in die Sterne gucken…

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