Mordfälle Kirsten Heisig und Nadine Ostrowski und die Gerichtsmedizin / Polizei Herdecke, Polizei Wetter, Polizei Hagen


Wer den Staat oder wen auch immer anklagt zu morden, darf es sich nicht leicht machen. Ich gebe es zu, dass ich es mir in einigen Punkten zu leicht gemacht hatte, und es ist für mich selbstverständlich, erkannte Irrtümer zuzugeben.

So haben Nachforschungen in gerichtsmedizinischer Literatur via Internet ergeben, dass, anders als von mir gedacht und leider auch behauptet, ein Suizid der Kirsten Heisig in der Weise, wie man sie laut staatsanwaltschaftlicher Erklärung vorgefunden haben will, durchaus möglich gewesen sein kann: Aufgrund der hohen Gewichtsbelastung an den Strangulationsstellen ist eine sofortige erhebliche Schwächung und ein sehr schneller Eintritt der Bewusstlosigkeit möglich;  an einer Stelle wird explizit drauf hingewiesen, dass dies soweit gehen kann, dass es der betreffenden Person nicht einmal mehr möglich ist, sich aus hockender Position durch ein einfaches Aufrichten zu erretten:

Was das Drosseln eine Opfers von fremder Hand angeht, so muss man feststellen, dass ein Telefonkabel ein nahezu ideales Drosselinstrument ist, das es auch mit relativ geringem Kraftaufwand erlaubt, wirksam zu drosseln:  Kleine Auflagefläche, glatte Oberflächenstruktur.

Allerdings fand ich keine sicheren Angaben darüber, mit welcher Wahrscheinlichkeit Abwehrverletzungen vorkommen. In einem rechtsmedizinischen Skript wird der Eintritt der Bewusstlosigkeit / der Handlungsunfähigkeit auf 5 bis 6 Sekunden im Mittel ab Drosselungsbeginn beziffert:

während ich an anderer Stelle den Hinweis fand, dass beim Drosseln oftmals sofortige Bewusstlosigkeit eintrete und Abwehrverletzungen daher unterblieben. Allerdings erfolgt diese (wie auch manch andere) Angabe innerhalb einer medizinischen Dissertation ohne Quellenhinweis, zudem wurden lediglich 17 (offenbar recht bunt gemischte) Fälle von Erdrosselung im Rahmen der Dissertation „untersucht“.

Hinweise darauf, wie oft die Opfer durch andere Umstände in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt waren (Fesselung der Hände, z.B.) fand ich keine, aber u.a. den Hinweis, dass 70% der Opfer (aus 45 Taten, davon 17 Erdrosselungen) in ihrer eigenen Wohnung ermordet wurden, die in 50% der Fälle auch die Wohnung des Täters gewesen sei (Beziehungstaten). Weiterhin der Hinweis, dass fast die Hälfte aller Taten zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr erfolgt seien – so dass man also auch Erdrosselungen im Schlaf für möglich bzw. sogar für wahrscheinlich halten muss.

Die Dissertation kann Statistiker nur erschrecken, denn von den Grundbedingungen zur Gewinnung repräsentativer Aussagen wurde schlichtweg keine einzige beachtet. Ich hatte es allerdings auch nie für ein ledigliches Gerücht gehalten, dass der Doktor-Titel im Fache Medizin zumindest in Deutschland verschleudert werde; insofern sind anderweitig unbelegte Behauptungen des damaligen Promotionskandidaten mit Skepsis zu betrachten. Auf das Thema Abwehrverletzungen geht er in seiner „Untersuchung“ nur generell (für alle 45 Fälle verschiedener Tötungsarten) ein, mehrfach finden sich Hinweise, dass in anderen Untersuchungsreihen (von anderen Medizinern) andere Häufigkeitsmuster vorzufinden gewesen seien, so dass insgesamt die Annahme sehr nahe liegt, dass empirische Forschung in der Rechtsmedizin oft auf methodischen Mängeln aufbaue, vor allem die Auswahl von Stichproben oftmals nur Glückssache sei. Zudem ist es schwer, an spezialisierte Statistiken heranzukommen: Wenn im Falle des Erdrosselns schlafende Opfer, gefesselte Opfer, betrunkene Opfer, durch K.O.-Schlag betäubte Opfer und wache, nüchterne und ungefesselte Opfer in einen Topf geworfen werden, so kann man über Abwehrverletzungen keine brauchbaren Ergebnisse mehr erwarten.

Somit scheint mir die Quelle, die von 5 bis 6 Sekunden bis zum Verlust der Handlungsfähigkeit ab Drosselungsbeginn ausgeht (Institut für Rechtsmedizin St.Gallen
), was übrigens auch zu den Worten des Gerichtsmediziners Dr. Josephi im Mordfalle Nadine Ostrowski passt,  doch die solidere Basis gegenüber jener Münsteraner Dissertation zu sein. Und demnach hätte Nadine Ostrowski die Möglichkeit gehabt, mit ihren Händen nach der Schlinge zu greifen und zu versuchen, sie zu weiten oder zu entfernen, wenn sie nicht trotz medizinischer Handlungsfähigkeit bewegungsunfähig gewesen wäre:

(ebenfalls aus dem Skript des Institutes für Rechtsmedizin St.Gallen)

Zudem sei im Falle der Nadine Ostrowski auch die Frage erlaubt, inwiefern ein Würgen für sie überraschend gewesen sein könnte: Erstens soll Philipp ihr zuvor mindestens 3 Mal mit solcher Heftigkeit eine  schwere Taschenlampe an den Kopf geschlagen haben, dass jeder normale Mensch ihm von da ab alles zugetraut hätte, zweitens soll sie, als ihr das Kabel umgelegt worden sei, vor dem Waschbecken im Gäste-WC aufrecht GESTANDEN haben – und über dem Waschbecken, auch im Urteil nachlesbar, hängt ein Spiegel – sie hätte es also wahrnehmen müssen, wenn Philipp J. sich ihr von hinten genähert hätte.

Das nur am Rande. Es stellen sich in dem Zusammenhang noch eine Menge anderer Fragen – u.a. auch die, warum sie die Tür zum Gäste WC nicht einfach hinter sich abschloss, da sie, folgt man dem Urteils-Szenario, es doch deutlich gespürt haben musste, dass  von Philipp J. eine enorme Gefahr für sie ausging – belegt durch mindestens drei außergewöhnlich brutale Schläge mit einer massiven Stabtaschenlampe an ihren Kopf…. Das ganze Strafurteil besteht nur aus Wundern….

Winfried Sobottka, UNITED ANARCHISTS

https://belljangler.wordpress.com/2010/12/05/die-systematik-staalicher-morde-teil-i-polizei-berlin-polizei-koln-polizei-hamburg-kirsten-heisig-uwe-leichsenring-bojan-fischer-ccc-berlin-nadine-ostrowski-boris-f-boris-k-karl-koch-m/

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Über belljangler
Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka, geb. 16.07.1958 in Waltrop, Kreis Recklinghausen, wohnhaft: Karl-Haarmann-Str. 75 in 44536 Lünen, Tel. 0231 986 27 20

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