Carl-Friedrich von Weizsäcker, Eugen Kogon und das politische Dilemma


Der neue Faschismus wird nicht sagen: „Ich bin der Faschismus! Er wird sagen: „Ich bin der Antifaschismus!“

(Ignazio Silone, 1900 bis 1978, italienischer Sozialist)

Carl-Friedrich von Weizsäcker empfand zurecht Verachtung für das deutsche Volk:

Absolut obrigkeitshörig, des Denkens entwöhnt, typischer Befehlsempfänger, ein Held vor dem Feind, aber ein totaler Mangel an Zivilcourage! Der typische Deutsche verteidigt sich erst dann, wenn er nichts mehr hat, was sich zu verteidigen lohnt.“

http://www.freegermany.de/brd-verbrechen/i-silone-carl-f-von-weizsaecker.html

Weiterhin sah er die Herrschaftsverhältnisse realistisch:

Denn Fakt ist: Die kleine Clique, denen diese Welt schon jetzt gehört, herrscht nach dem einfachen aber klaren Motto: ‚ Eine Welt, in der wir nicht das alleinige Sagen haben, die braucht es auch in Zukunft nicht mehr zu geben.‘

http://www.freegermany.de/brd-verbrechen/i-silone-carl-f-von-weizsaecker.html

und:

….Weizsäcker rechnete nicht damit, verstanden zu werden. Auf die Frage eines Journalisten, was ihn denn am meisten stören würde, antwortete er: ‚ Mich mit einem dummen Menschen unterhalten zu müssen.“

http://www.freegermany.de/brd-verbrechen/i-silone-carl-f-von-weizsaecker.html

Nun, der Heldenmut gegenüber dem Feind mag auch bezweifelt werden. Wenn Soldaten aus einer Position klarer Überlegenheit kämpfen, brauchen sie keinen Mut, wenn sie ein Zurückweichen mehr fürchten müssen als den Kampf an der Front, dann brauchen sie auch keinen Mut. Die wenigsten Soldaten waren Helden, es war nicht anders als im Zivilleben. Für Hitler konnte man auch nicht zum „Helden“ werden. Heldentaten konnte man auf deutscher Seite nur begehen, wenn man entweder unmittelbar zum Schutze von Zivilbevölkerung kämpfte oder sich als Systemfeind betätigte.

Was Carl-Friedrich von Weizsäcker anprangert, hat Eugen Kogon analysiert, kam dabei zu einem Ergebnis, das mir schon klar war, bevor ich sein Buch in die Hand nahm: Es ist nicht so, dass es die bösen Täter geben würde, die alles Böse selbst tun. Die Strippenzieher schaffen es, ob damals in den KZ oder heute in der Gesamtgesellschaft, die Opfer zu Tätern zu machen und ihnen den größten Teil der Drecksarbeiten aufzubürden. Die Judentransporte des Eichmann wurden von Juden zusammen gestellt, die Häftlinge in den KZ wurden weit überwiegend von KZ-Häftlingen bewacht und diszipliniert, die Juden mussten die Leichen aus den Gaskammern räumen, sie zu den Öfen bringen und verbrennen, die KZ-Häftlinge mussten die Habseligkeiten der Neuankömmlinge einsammeln, ordnen und registrieren, KZ-Häftlinge machten die Wäsche, KZ-Häftlinge bereiteten die Nahrung, KZ-Häftlinge forschten KZ-Häftlinge aus, bestraften KZ-Häftlinge und so weiter.

Nicht anders ist es heute in unserer Gesellschaft: Die eigentlichen Strippenzieher sind eine erschreckend kleine Minderheit, doch der Rest der Gesellschaft ist in ihrem Sinne instrumentalisiert, getrieben von der Angst, dass es ihm noch schlechter ginge, wenn er nicht mitspielte, wie seinerzeit die Kapos in den KZ.

Ich möchte einige Zitate von Eugen Kogon präsentieren, auch wenn ich eines davon schon im letzten Belljangler-Artikel präsentiert habe:

Eine unablässige Flut von Propaganda ersäuft das umfassende kritische Denken; Pomp und Kraftprotzerei einmal mit Erfindungen, ein andermal mit Planzahlen, ein drittes Mal mit der Armee, mit Büchern, Theaterstücken oder mit wissenschaftlichen Leistungen decken den Mangel wahren Selbstbewusstseins zu, das aus der Freiheit und Selbstbestimmung stammt, und nur aus ihr.“ (Hervorhebung von mir. Den Sport hatte er offenbar vergessen, man denke an Fußball-WM, Fußball-Bundesliga usw.)

(„Der SS-Staat“, Eugen Kogon, 44. Auflage, München 2006, S. 37 f.)

und:

Haben die Massen um ökonomischer Sicherheit willen ihr politisches Erstgeburtsrecht an die Autorität eines einzelnen oder einer Vertretergruppe verkauft, sind sie mit dem Versprechen ökonomischer Sicherheit um ihr politisches Freiheitsrecht betrogen worden, so suchen sie Ersatz in den betäubenden gesellschaftlichen Veranstaltungen und den utopischen Erwartungen, die ihnen die Diktatur bietet. Das Leben nimmt den Charakter hektischer Betriebssamkeit an…… Wie sollte da Kultur in einem höherem Sinn bestehen oder sich entwickeln können?“ (ebenda, S. 38)

und:

„Denn die Rolle des Menschen im Herrschaftssystem des Terrors ist erbärmlich, gleichgültig, wo er seinen Platz in ihm hat, oben oder unten, im Herrschaftsgefüge.“ (ebenda, S. 37).

In diesen Worten findet man die Zustandsbeschreibung unserer Gesellschaft, das, worüber Carl-Friedrich von Weizsäcker sich maßlos aufregte, das, worüber ich mich schon sehr oft und eigentlich ständig aufreg(t)e.

Liebe Grüße

Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka, UNITED ANARCHISTS und Order of ?

TOP-WICHTIG:

https://belljangler.wordpress.com/2011/02/14/winfried-sobottka-an-alle-kampferinnen-fur-freiheit-recht-und-menschlichkeit/


https://belljangler.wordpress.com/2011/02/08/dem-wahren-satanismus-auf-der-spur-karen-haltaufderheide-doris-kipsiekerannika-joeres-die-grunen-wetter-die-grunen-berlin-die-grunen-hamburg-die-grunen-koblenz-renate-kunast-die-linke-witten/

https://belljangler.wordpress.com/2011/02/12/winfried-sobottka-uber-machbare-visionen-ex-k3-berlin-altermedia-bodo-ramelow-katja-kipping-die-linke-dusseldorf-die-grunen-dusseldorf-die-grunen-berlin-sylvia-lohrmann/

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Über belljangler
Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka, geb. 16.07.1958 in Waltrop, Kreis Recklinghausen, wohnhaft: Karl-Haarmann-Str. 75 in 44536 Lünen, Tel. 0231 986 27 20

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