Wirtschaftsexperte Winfried Sobottka: Wirtschaftliche Folgen der Japan-Katastrophe / Erdbeben, Tsunami, Kernschmelze, Fukushima, Wolfgang Schäuble, Atomkraftwerk


Belljangler:Wirtschaftsexperte Winfried Sobottka, offizielle Stimmen aus dem Lager von „Wirtschaftsexperten“ gehen z.T. nicht davon aus, dass sich die Erdbeben-Tsunami-KKW-Katastrophe in Japan auf die Weltwirtschaft auswirken werde, selbst in Japan gehen manche nur von vorübergehenden Einbußen aus, und Deutschlands Finanzminister, Wolfgang Schäuble, sagt, man könne noch gar nichts sagen:

Was sagst du?“

Winfried Sobottka: „Dass Japan wirtschaftlich jedenfalls schwerste Rückschläge erleiden wird, ist jetzt schon sicher, und das im Grunde gerade deshalb, weil es  produktiv so hoch entwickelt ist und auf relativ kleinem Raum bis zur Katastrophe eine enorme Produktionsleistung erbrachte.

Wer in den 80-ger Jahren sehen wollte, wie „verschlankte Produktion“, „Outsourcing“ usw. in der Praxis aussehen, konnte das am besten in Japan – es war das Pilgerland der Neoliberalen aus aller Welt.

Dabei hat sich in Japan ein System hochgradiger Abhängigkeiten aufgebaut, innerhalb dessen es – das ist der Preis „verschlankter Produktion“ – keine nennenswerten Reserven für den Fall gibt, dass irgendetwas unplanmäßig ausfällt. Man kann das vereinfacht mit einem hoch entwickelten Raumschiff vergleichen, in dem  kein einziges Ersatzteil an Bord ist. Fällt dann irgendwo im System ein 50-Cent-Chip aus, dann kann das schon die Katastrophe bedeuten.

In Japan ist die gesamte Nordregion schwer angeschlagen, was Energieversorgung und Logistik (Verkehrwege) angeht, und auch die japanische Energiewirtschaft funktionierte offenbar verschlankt:  Der Produktionsausfall der betroffenen KKW kann nicht durch höhere Strom-Produktion anderswo kompensiert werden, wie man sieht.

Selbst, wenn es nicht zu einer Kernschmelze kommen sollte, so ist das japanische Wirtschaftssystem doch schwer stark angeschlagen: Der Ausfall von Subsystemen trifft das ganze System, und auf kurzfristige Kompensation ist man überhaupt nicht eingerichtet. Weiterhin ist Japan stark vom Atomstrom abhängig – und nach den jüngsten Erfahrungen ist es fraglich, ob das japanische Volk diese Abhängigkeit noch tolerieren will. Alternativen wären sehr teuer und auf breiter Front nur langfristig umsetzbar.

Zudem ist Japan sehr stark vom Export abhängig, und der wird, auch dann, wenn es keine Kernschmelze (ge-) geben (haben) sollte, mit erheblichen zusätzlichen Probleme belastet sein: Die Welt verbindet Japan nun mit nuklearer Katastrophe, und zwar emotional, es sitzt in Fleisch und Blut. Selbst, wenn Tests mit Geigerzählern ergeben sollten, dass z.B. Autos und Fernsehgeräte aus japanischer Produktion nicht belastet sein sollten, so werden Käufer aus psychologischen Gründen lieber Autos und Fernsehgeräte wählen, die anderswo hergestellt wurden.

Sollte es zu einer massiven Strahlenbelastung in Japan kommen, dann wird der Export praktisch tot sein, möglicherweise würden Fluglinien den Verkehr mit Japan einstellen usw. Japan wäre dann so etwas wie eine Lepra-Insel des 21. Jahrhunderts, darauf angewiesen, dass der Rest der Menschheit Japan mit dem versorgt, was es benötigt. Dieses Szenario, so ungeheuer schrecklich es wäre, kann derzeit niemand ausschließen, und so kann es nur befremden, wenn jetzt schon Stimmen klingen, die erklären, Japan werde die Probleme zügig in den Griff bekommen.“

Belljangler: Die Welt sollte Millionen JapanerINNEN vorsorglich evakuieren?“

Winfried Sobottka: „Unbedingt, wenn man sich die Gefahrenlage ansieht.“

Belljangler: „Du bist auf zwei mögliche Szenarien eingegangen, einmal ohne Supergau, einmal mit. Was würden diese beiden Szenarien für die Weltwirtschaft bedeuten?“

Winfried Sobottka: „Am stärksten wird es natürlich diejenigen Länder betreffen, die in hohem Maße nach Japan exportieren. Ohne mir irgendwelche Zahlen anzusehen, bin ich mir sicher, dass Japan in hohem Maße Lebensmittel importieren muss. Der japanische Bedarf insofern wird zweifellos steigen, weil sicherlich auch die japanische Nahrungsmittelproduktion betroffen ist. Im Falle des Szenarios 2 – Supergau – wird sich mittelfristig die Frage stellen, wer die japanischen Importe bezahlen soll, da Japans Exporte in dem Falle praktisch völlig zusammenbrechen werden.

Was die japanischen Produktionseinbußen angeht, so werden sie sicherlich von den Produzenten anderer Länder kompensiert werden können, die dann natürlich die Profiteure sein werden, z.B. europäische Automobilbauer.

Was Finanzmärkte angeht, so ist zunächst mit einem Rückgang des Spekulationskapitals zu rechnen, weil Rückversicherungen kräftig zur Ader gelassen werden und das von ihnen gezahlte Geld in den Wiederaufbau, also in den realen Wirtschaftskreislauf, fließen wird. Darüber hinaus wird das japanische Großkapital erhebliche Verluste einstecken müssen, die dafür sorgen werden, dass es seine Beteiligungen an den Finanzanlagemärkten herunterfahren müssen wird – weniger Spielgeld für die Spekulation. Demgegenüber wird es fettere Gewinne bei denen geben, die Japans Exportverluste kompensieren werden. Kurzfristig also weniger Spielgeld an den Finanzmärkten, doch mittelfristig werden zwar ein paar Giga-Haie ausfallen oder deutlich kleiner werden, doch die anderen Giga-Haie dafür desto fetter werden.“

Belljangler: „Was werden Japaner an Zinsen zahlen müssen?“

Winfried Sobottka: „Da die Regierung ja selbst schon erklärt hat, dass sie sich um Milliarden verschulden müssen wird, werden die Zinsen, die Japaner zahlen müssen, steigen – wer unbedingt Geld braucht, wird stets teuer bedient.

Da es zudem, s.o., erhebliche Risiken gibt, was die japanischen Wirtschaftsaussichten angeht, werden sie noch mehr zahlen müssen. Zudem – der Kapitalismus kennt kein Erbarmen – ist es allen Heucheleien zum Trotze eine Frage, ob das Großkapital anderer Länder es überhaupt wolle, dass Japan wieder ein starker Konkurrent wird. Für das deutsche, das US-Großkapital usw. könnte es doch durchaus verlockend sein, Japan nicht mehr aus dem Dreck herauskommen zu lassen, um seine Exportanteile zu übernehmen. Das würde bedeuten, dass es erhebliche Kräfte gäbe, die den Japanern das Leben gezielt schwer machten, z.B. mit der Wirkung agierten, dass japanische Anleihenemittenten noch höhere Zinsen zahlen müssten, als bei nüchterner Bewertung üblich.“

Liebe Grüße

Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka, UNITED ANARCHISTS und Order of ?

TOP-WICHTIG:

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Über belljangler
Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka, geb. 16.07.1958 in Waltrop, Kreis Recklinghausen, wohnhaft: Karl-Haarmann-Str. 75 in 44536 Lünen, Tel. 0231 986 27 20

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